Update: 08.10.2001
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Eliana
Die ganze Geschichte mit den dazugehörigen Fotos
(Der aufgepeppte ausführliche Geburtsbericht, entstanden aus meinem Krankenhaus-Tagebuch)
 
Nur Fotos anschauen geht auch,
einfach anklicken:
Ultraschall 1
Ultraschall 2
Christiane mit Baby im Bauch - nicht zu übersehen
allererstes Foto von Eliana im Brutkasten
3 Tage alt, das allererste mal bei Mama im Arm
4 Tage alt
6 Tage alt
8 Tage alt
endlich zu Hause!

 
Am Mittwoch, den 7. März 2001 um genau 12:26 Uhr wurde Eliana
mit einem Kaiserschnitt auf die Welt geholt.
Bei ihrer Geburt war sie 50 cm groß, wog bereits 3600 g und hatte
schon einen ganz schönen Dickkopf: 36 cm Umfang!
Eigentlich wäre ihr Geburtstermin erst der 20. März (Frühlingsanfang) gewesen...

Ihr kompletter Name lautet übrigens
Eliana (ist die weibliche Form von Elia/Elias)
Linda (gefiel mir auch schon immer gut)
Cäcilia (von ihrer Patentante...)










Vorgeschichte

Meine ganze Schwangerschaft verlief eigentlich absolut problemlos, ein wenig Müdigkeit in den ersten Wochen, aber schlecht oder so war mir kein einziges mal. Geritten bin ich auch noch fast jeden Tag, zwar nur auf Lagsi, weil ich mich auf ihn verlassen kann, aber immerhin bis kurz vor Weihnachten, da war ich schon im 7. Monat!
 

Das allererste Foto:
"das Kind" war ca. 10 Wochen alt
und ca. 5 cm lang...
Dieses Bild entstand 14 Wochen vor Elianas Geburt, beim Feinultraschall. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich auch, daß "es" ein Mädchen werden würde - "Eliana", das war mir sofort klar! 
Von der modernen Technik heute muß man einfach begeistert sein: wenn ich dieses Bild hier vergleiche mit dem Ultraschall von mir vor 30 Jahren - der gleicht eher einem Sturm im Wasserglas.Hier kann man doch schon wunderbar viel erkennen!
Und hier waren es noch 12 Wochen
(schade, mehr Bilder mit Baby im
Bauch gibt es gar nicht von mir)
 

 

Tja, Mitte Januar fingen dann die seltsamen Beschwerden an: Schmerzen in der Schambeinfuge, die bis in den Rücken hineinzogen, besonders weh tat es beim Laufen, bzw. schon dann, wenn ich nur ein Bein ein wenig vom Boden anheben wollte. Die Diagnose war eindeutig: Symphysenlockerung, sämtliche Bänder, eben auch die im Beckenbereich, sind durch die Schwangerschaftshormone so gelockert, daß das Becken dadurch instabil wird. Dagegen kann man leider gar nichts machen, außer sich zu schonen, und das tat ich dann auch ausführlich, habe eigentlich nur herumgelegen und mich nicht mehr großartig bewegt. Die Schmerzen konnte ich so ganz gut in Grenzen halten, aber das Problem war dadurch noch nicht beseitigt. Dazu kam noch, daß ich als Kind eine Hüftdysplasie hatte und deswegen operiert werden mußte, und diese beiden "Krankheiten" waren der Grund, bei mir einen Kaiserschnitt zu planen. Denn bei einer natürlichen Geburt kann es passieren, daß die Symphyse der Belastung nicht standhält und es zu einer Sprengung kommt, die dann in der Heilung noch wesentlich schwieriger und langwieriger sein würde.
Nun gut, ich hatte ja Zeit, mich mit einer Sectio abzufinden und mich damit ausführlich zu befassen, und so fand ich die geplante Operation gar nicht so schrecklich. Wurde zwar so leider nichts aus der gewünschten Wassergeburt, aber so habe ich mir wenigstens stundenlange Wehen erspart!
Am Valentinstag war ich dann schonmal im Krankenhaus, hatte nämlich ganz plötzlich Wasser in den Beinen und ein wenig Angst vor einer Gestose, aber das war völlig unbegründet, mit mir war alles in Ordnung. Dafür habe ich an dem Tag aber eine sehr nette Bekanntschaft gemacht in der Gestalt eines Oberarztes, und da hat sich tatsächlich auch noch ein bißchen mehr draus entwickelt, aber dazu schweige ich hier lieber... Ich wußte jedenfalls, daß ich in diesem Krankenhaus mich ganz bestimmt sehr wohlfühlen würde!
Am 23. Februar hatte ich dann meinen offiziellen Termin zur Geburtsplanung, Elianas Geburtstermin wäre ja der 20. März gewesen und ich hatte mich ein wenig auf den 13.3. (paßt so schön zu meinem 13.4.) eingestellt, wenn man das nun schon planen kann, aber das mußte ich mir abschminken. Mark machte Ultraschall und sagte nur: "Oh Gott, ist die kleine Maus schon groß! Vergiß es mit dem 13., die muß früher raus!" Nun gut, dann habe ich mir eben den 7. ausgesucht und mußte die letzten beiden Wochen auch noch hoffen, daß ich keine Senkwehen bekomme, denn ein Absenken des Köpfchens in mein Becken hätte eventuell ein schnelles Handeln erfordert, denn das hätte meine Symphyse vielleicht gar nicht mehr ausgehalten... Aber es ging alles gut, ich hatte Zeit, mich auf den Termin vorzubereiten, und am 6. März sollte ich dann ins Krankenhaus:
 

Dienstag, 6. März 2001

Diese Nacht habe ich erstaunlich gut geschlafen, obwohl ich tierisch aufgeregt war (und es noch bin!), und als heute früh um 6.30 Uhr dann der Wecker klingelte, meinte ich erst, ich spinne. Nach dem hektischen Duschen und Anziehen war mir dann ganz schlecht und schwindelig vor Aufregung. Um 7.30 Uhr fuhr mich dann mein Papa ins Marienkrankenhaus und brachte mich noch hoch in den dritten Stock. Dort gab ich erstmal mein Gepäck im Schwesternzimmer ab und mußte mich auch gleich schon in den Kreißsaal begeben. Dort dauerte es allerdings noch eine Weile (Papa war schon wieder gefahren, was soll er denn auch noch hier) und so wurde ich erstmal runtergeschickt ins Foyer, zur Anmeldung. Oh je, heute morgen bin ich schon so viele Meter gelaufen wie schon lange nicht mehr, aber inzwischen bin ich schon auf meinem Zimmer und habe nichts mehr zu tun, also Zeit, mich nochmal so richtig zu langweilen. Nachdem ich endlich bei der Anmeldung dran war (Nummer ziehen und warten...) ging ich wieder hoch in den Kreißsaal und wurde dann auch gleich ans CTG angeschlossen. Nun, da ich ja so fürchterlich nervös war und noch dazu mich eben übermäßig viel bewegt hatte, war erstens mein Blutdruck ungewöhnlich hoch (150:95) und mein armes Kind hatte einen fürchterlich aufgeregten Herzschlag, teilweise sogar um die 200 Schläge pro Minute! Aber ich legte mich gemütlich hin, atmete tief und gleichmäßig und versuchte, an was anderes zu denken. Aber das ist gar nicht so einfach, wenn das Baby im Bauch tobt und man angespannt den wilden Herzschlag verfolgt.
Nun ja, der wurde dann kontinuierlich ruhiger, Wehen waren mal wieder gar keine zu sehen und auch mein Blutdruck normalisierte sich auf 120:80. Dann bekam ich noch Blut abgenommen (3 volle Spritzen, iiih!) und ein Oberarzt kam, um nochmal mit mir zu sprechen, dabei eine junge AIP (oder PJ-lerin?), die auch morgen bei der OP dabei sein will, aber damit habe ich keine Probleme. Wir sprachen nochmal über die Sache mit der Symphysenlockerung und der Arzt war ziemlich entsetzt, wie schlecht ich doch laufen kann, dabei kommt es mir schon viel besser vor. Egal, es ist ja bald vorbei! Wir gingen dann hoch in den dritten Stock, zur nochmaligen Untersuchung und Ultraschall. Also, meiner Kleinen geht es sehr gut, sie ist tatsächlich recht kräftig und der Mutterkuchen ist schon ein ziemliches bißchen verkalkt. Das ist nicht so toll, aber jetzt darf sie ja eh bald raus, sie macht allerdings von sich aus keinerlei Anstalten, sich vielleicht demnächst auf den Weg zu machen: das Köpfchen ist noch lange nicht im Becken und der Muttermund ist auch noch zu. Oh je, wer weiß, wie lange das noch gedauert hätte und wie groß sie dabei auch noch geworden wäre, ich bin ja sowieso schon gespannt, was da morgen für ein Brummer rauskommt!
Also gut, jetzt durfte ich mich auf die Station begeben, begrüßte die Schwestern und durfte mir dann sogar ein Zimmer aussuchen, Dreibett mit Dusche/WC, wo schon zwei andere Frauen drinliegen oder Zweibett ohne, allerdings (erstmal) für mich alleine. Das war mir dann doch wesentlich lieber, denn ich möchte wenigstens die eine Nacht ohne Baby nochmal schön durchschlafen können, das geht mit zwei Rooming-in-Kindern im gleichen Zimmer wohl eher schlecht. Das Zimmer ist zwar nicht sehr groß und teilweise noch mit recht alter Ausstattung, aber die Sonne lacht hier herein und ich denke, ich werde mich wohlfühlen.
Ich hatte noch nicht mal richtig ausgepackt, da kam auch schon der Anästhesist und klärte mich über die Narkose auf. Die Risiken, mit einem Tubus die Stimmbänder zu verletzen (Knötchen) sind gar nicht so gering, aber ich wollte ja keine Vollnarkose, sondern PDA/spinale, und hoffe mal, daß ich nicht aus irgendeinem blöden Grund dann doch schlafen gelegt werden muß. Das hört sich zwar alles nicht so vertrauenserweckend an, vor allem ärgert es mich, daß ich ab heute abend nichts mehr trinken darf (Hilfe, ich vertrockne!), aber er machte doch einen sehr netten und beruhigenden Eindruck, überhaupt fühle ich mich (bis jetzt) hier sehr gut aufgehoben. Vor allem ja auch wegen Mark, meinem netten Oberarzt. Er kam mich dann schon bald besuchen, aber wir hatten gar keine Gelegenheit, richtig miteinander zu plaudern, denn ständig kam eine Schwester herein oder der Anästhesist nochmal, dann gab es auch schon Mittagessen (eine fürchterliche Haferschleimsuppe, das fängt ja sehr gut an...) und dann mußte er auch weg zu ner OP, versprach aber, nochmal vorbeizuschauen. Nun ja, jetzt habe ich meine Ruhe und Zeit, mich nochmal so richtig zu langweilen...
 

Mittwoch, 7. März 2001

Die Nacht auf heute habe ich natürlich wieder sehr schlecht geschlafen, ständig war ich wach und habe mich herumgewälzt, und immer, wenn ich wach war, war meine Kleine auch sehr munter. Ich genoß es sehr, sie noch einmal richtig ausgiebig in mir strampeln zu spüren, obwohl ich mir auch ein wenig Sorgen machte, weil ich sie mit meiner fürchterlichen Aufregung so angesteckt hatte. Wenn es ich richtig mitbekommen habe, war sie bestimmt 36 Stunden vor ihrer Geburt durchgehend wach, gemein sowas!
Geweckt wurde ich heute morgen zum Glück nicht, da es ja schon klar war, daß ich ein wenig später an der Reihe sein würde, und so konnte ich bis kurz vor 8 nochmal ein bißchen einnicken. Dann stand ich auf, ging auf die Toilette und als ich zurückkam, wurde ich mit einem hektischen „Frau Schmidt, wo sind Sie denn, sie sollen schon im Kreißsaal sein!“ begrüßt. Na Mahlzeit! Ich habe mich noch nie so schnell gewaschen und hüpfte in den OP-Kittel, wollte aus der Tür raus stürmen, da meinte die andere Schwester, weshalb ich so eine Hektik machen würde, ich solle erst um 10.30 Uhr unten sein. Na gut! Also noch ein wenig Verschnaufpause, aber dann wurde es doch ernst. Ganz alleine ließen sie mich hinunterlaufen, in diesem weißen Kittel mit Bademantel drüber und den tollen Thrombosestrümpfen drunter, mit meinen Unterlagen in Arm lief ich nach unten, dem entscheidenden Moment entgegen, und meine Schritte wurden immer langsamer...! Hebamme Rabia empfing mich (ihr Name weckt zwar die Assoziation von „rabiat“, aber sie ist richtig lieb, obwohl schon etwas energisch) und ich wurde erstmal wieder ans CTG angeschlossen, mein Töchterlein war immer noch wach und am Toben, aber wenigstens mit einer normalen Herzfrequenz, also nicht mehr ganz so aufgeregt. „Mein“ Oberarzt kam nochmal kurz zu mir, erzählte mir von seiner durchgearbeiteten Nacht, machte mir aber trotzdem Mut („nein, so sehr zittern meine Hände noch nicht...“), konnte nur leider wieder nicht lange bleiben.
Na egal, jetzt wurde es auch langsam ernst, jetzt kam diese bereits angekündigte Prozedur mit der Rasur und dem Blasenkatheder. Davor hatte ich ja ein wenig Schiß, aber er war nur im allerersten Moment ein wenig unangenehm, ein leichter Druck beim Einführen, dann war das Teil auch schon vergessen, und ich fand ihn überaus praktisch, wenn man einfach nicht mehr ans Klogehen denken muß, an so ein Teil könnte ich mich direkt gewöhnen. Tja, aber alles, was nun kam, war irgendwie nicht mehr so lustig. Erst mußte ich mich auf diese schmale Transportliege legen, konnte mich aber so schlecht alleine hochhieven, da ich ja die Beine nicht auseinanderbekomme (wegen der Symphyse) und dann auch nicht einzeln anheben kann. Irgendwie schafften wir es gemeinsam, und dann gleich das selbe nochmal, denn im OP-Vorraum mußte ich wieder umgebettet werden, von Liege zu Liege. Dort faßten jetzt ein paar starke junge Männer mit an, und schon ging das einfacher. Eine Wärmedecke bekam ich auch gleich übergelegt, denn es war schon relativ kühl da unten, und ich hatte ja eigentlich nichts mehr an (außer den Thrombosestrümpfen). Nachdem ich nun auch mit den grünen OP-Tüchern ausgestattet war, wurde ich wieder einen Raum weitergeschoben, erst genau auf eine Tür mit der Aufschrift „Entsorgung“ zu - noch war ich zum Scherzen aufgelegt, und alle lachten herzlich, weil ich meinte, man wolle mich jetzt dort hinausbringen. Dann aber verging es mir bald, denn nun bekam ich die Kanülen gelegt. Der Anästhesieassistent war absolut goldig, aber er konnte mir die Schmerzen schlecht ersparen, obwohl er die Einstichstellen schon betäubte, sich besonders viel Mühe gab und mir auch einfach glaubte, daß ich, was Spritzen angeht, überempfindlich bin. Die Kanüle im Handgelenk, die mir die Hebamme gelegt hatte, war zu nichts zu gebrauchen, und auch die beiden anderen, die mir jetzt gelegt wurden, waren nicht allzu vielversprechend, da ich so unheimlich dünne Venen habe.
Inzwischen hatte ich auch angefangen, zu zittern wie Espenlaub, was vielleicht ein wenig mit der Kälte zu tun hatte, aber hauptsächlich wohl mit meiner Angst. Denn das Beste kam ja noch: die PDA. In allen Geburtsberichten hatten die Frauen geschrieben, daß das Legen der Rückenmarksnarkose überhaupt nicht wehgetan hat, daß sie höchstens einen „leichten Druck“ im Rücken verspürt hätten. Tja, schade, daß es bei mir nicht so war, der liebe Assistent hielt mich auf der Seite in gekrümmter Haltung fest, drückte mir quasi Kopf und Knie zusammen, und das half mir doch sehr, denn als die Anästhesistin (sie war auch sehr nett, aber eigentlich immer nur hinter mir, deswegen kann ich mich gar nicht an sie erinnern) dann die Nadel(n) einführte, bin ich fast vom Tisch gehüpft. Zweimal hat sie mich so höllisch gepiekst, denn ich bekam die PDA und noch eine spinale, dann aber war die Sache mit den Schmerzen zum Glück erstmal völlig vorbei. Ganz, ganz schnell wurden meine Beine warm, dann fingen sie an zu kribbeln, und schon waren sie taub. Ich wurde nun gebeten, mich doch bitte auf den Rücken zu drehen, aber das war mir völlig unmöglich, ich spürte definitiv nichts mehr! Also mußten wieder zwei starke Männer zu Hilfe gerufen werden, damit ich in die richtige OP-Position gebracht werden konnte. Tja, Scheiße, wenn man so schwer ist. Normal macht mir das ja gar nichts aus, aber wenn man dann so hilflos ist, kann es schon mal peinlich werden... Nun gut, jetzt ging es ab in den OP, ganz viele vermummte Gestalten um mich herum, aber alle total lieb, die junge PJ-lerin immer an meiner Seite, der liebe Anästhesist auch, der nahm mich sogar in den Arm, was mir überhaupt nicht unangenehm war, genau im richtigen Moment, und dann natürlich Mark, der mich wohl am liebsten geküßt hätte, aber damit wohl auch jegliche Sterilität in Frage gestellt hätte. Er sprach jetzt schon von Eliana, als wäre sie schon da, das war für mich ein Zeichen, daß es jetzt ernst werden würde, denn bisher war sie immer nur „das Baby“ oder „die kleine Maus“ gewesen, schon ganz bald würde nun ein neuer Mensch auf der Welt sein, und würde den Namen Eliana bekommen, das war mir schon so lange klar, aber ich hatte es noch (fast) nie ausgesprochen...
Bevor die eigentliche OP begann, wurde ich noch vorbereitet, die Beine auf die Stützen gelegt, ich schaute zweimal hin, denn es fühlte sich immer noch so an, als würden sie gerade vor mir liegen. Das ist das irre an dieser Narkose, man spürt seinen Körper eigentlich noch, kann ihn nur nicht mehr bewegen. Und die Schmerzempfindung ist ja zum Glück auch weg. Während ich noch mit den Tüchern bedeckt und zugehängt wurde, wirkte die Narkose immer tiefer, und plötzlich hatte ich den Eindruck, keine Luft mehr zu bekommen, bzw. keine mehr holen zu können. Durch das Singen bin ich es ja gewöhnt, ganz tief in den Bauch zu atmen, aber da ich nun dort kein Empfinden mehr hatte (die Betäubung beginnt direkt unter der Brust), konnte ich irgendwie nicht mehr atmen. Ich keuchte was von Ersticken, und die waren alle so aufmerksam, daß sie mir sofort eine Sauerstoffmaske auf Mund und Nase zogen, und schon ging es mir besser. Dieser große Anteil Sauerstoff macht das Atmen so herrlich leicht, man braucht viel weniger davon, daß es einem genauso gut geht wie sonst mit mehr, seltsam. Nun aber, vielleicht lag es ja am plötzlichen Sauerstoff-Überschuß oder an der ganzen Aufregung, oder aber auch an dem ekligen Zeug, das ich kurz vorher noch trinken mußte, ich hatte plötzlich das ganz dringende Bedürfnis, mich zu übergeben! Kaum angemeldet, lag auch schon die Schale neben meinem Gesicht und ich nahm sie dankend an, obwohl ich nicht viel herzugeben hatte. Sofort bekam ich auch eine Portion Vomex in die Vene, und schon ging es mir besser, allerdings wurde mir jetzt auch schnell ein bißchen dämmrig zumute (man hört ja viel von diesen berüchtigten „Reisetabletten“, daß sie so müde machen).
Mark fragte irgendwann, wie es mir ginge und ich konnte nur hauchen „ich bin ganz weit weg“. Er meinte später, ich hätte vor Glück in anderen Sphären geschwebt, aber ich meinte damit eigentlich nur, daß ich nicht mehr genau wußte, ob ich nun noch wach war oder schon eingeschlafen, in dem Moment konnte ich keinen klaren Unterschied mehr zwischen PDA und Vollnarkose feststellen! Aber von nun an wurde es schön! Die OP ging los, ich bekam Bescheid, daß der Bauch nun offen sei, und Mark hörte ich sagen: „Hallo, Eliana, wo bist Du denn?“ Süß! Nun ja, es ruckelte dann eine ganze lange Weile an meinem Bauch herum, es schien mir eine Ewigkeit zu dauern, bis mein Kind endlich geboren war, und als die dann endlich, endlich draußen war und auf sein „Ah, Eliana, da bist Du ja! Herzlich Willkommen!“ mit einem zarten Quäken antwortete, da gab es mir einen Stich ins Herz und ich gab auch irgendsoeinen Quäklaut von mir. Dann mußte ich aber doch lachen, denn Mark ließ sich schon wieder darüber aus, wie groß sie doch sei und daß sie ganz sicher nicht normal auf die Welt hätte kommen können, das ist schon gut, wenn man die Bestätigung für die Richtigkeit des operativen Eingriffes gleich an Ort und Stelle bekommt! Später „gestand“ er mir, daß er den Schnitt für sie sogar ein wenig zu tief angesetzt hatte (aus „Nettigkeit“ zu mir), und daß er daher seine vorher so gepriesenen 50 Sekunden („alle Kollegen brauchen mindestens eine Minute, bis das Kind draußen ist“) beileibe nicht einhalten konnte, er mußte nämlich ganz schön „wühlen“, bis er sie hatte, auch weil sie ja noch längst nicht im Becken war. Kein Wunder, daß es mir so lange vorkam. Aber macht gar nichts, Hauptsache, sie ist gut da rausgekommen und ich wurde dabei nicht „verschandelt“!
Tja, nun wurde in Windeseile mein Baby an mir vorbeigetragen in den Nachbarraum, ich sah nur zwei graue (muß wohl die Käseschmiere gewesen sein) Beinchen, und dann war ich alleine. Natürlich waren die vielen netten Menschen noch um mich rum, die nette junge PJ-lerin trocknete meine Tränen und ich wartete geduldig, bis ich wieder ordentlich zusammengflickt war. Mark verschwand nach einem Glückwunsch ganz schnell zur nächsten OP, aber wenigstens konnte ich dann endlich meine Tochter selber sehen, nachdem sie nun schon so viele andere Menschen kennengelernt hatte. Sie wurde mir neben meinen Kopf gehalten, so daß ich sie mit meiner Hand erreichen und streicheln konnte, und ich sah nur ihr Gesicht. So was kleines, zartes, süßes hatte ich noch nie in meinem Leben gesehen, und mir war völlig unverständlich, wie man von meiner Tochter nur als einem „großen Brummerchen“ sprechen konnte. Das kurze Glück dauerte leider überhaupt nicht lange, man murmelte etwas von „Atemschwierigkeiten“, und weg war sie. Ich war dann auch bald fertig zugenäht, wurde rausgeschoben, in mein schönes großes Bett rübergehievt (langsam hatten sie es raus...), mit Wärmedecken zugedeckt und dann in den Aufwachraum gefahren. Plötzlich war Stille und ich war ganz alleine.
Die Hebamme schaute nochmal nach mir und der Aufsicht führende Arzt auch, aber der war etwas muffelig. Als die Nachricht kam, daß meine Mutter vor der Tür stand, wollte er sie erst nicht reinlassen, aber ich muß so verzweifelt ausgesehen haben, daß er dann doch ein Einsehen hatte, ich wurde ganz an den Rand geschoben, eine Stellwand neben mich (da waren ja etliche frisch operierte Leute in dem Raum), und dann kam meine Mama zu mir. Sie war schon bei Eliana gewesen, sie lag in einem Inkubator auf der Intensivstation, weil sie noch nicht so richtig selber atmen wollte, aber man beruhigte uns erstmal, daß das bei Kaiserschnittkindern ja öfter der Fall sei, das wären wahrscheinlich normale Anpassungsschwierigkeiten. Meine Mama fand sie jedenfalls total süß und auch noch recht munter, und dann eilte sie runter zu mir. Es tat mir so gut, daß sie da war, denn ich mußte jetzt fürchterlich heulen, das waren doch arge Strapazen gewesen, dazu hatte ich mein Kind nur ganz kurz gesehen und fühlte mich jetzt so alleine (und leer – der Bauch war plötzlich so flach!) wie nie zuvor. Noch dazu zitterte ich am ganzen Körper, obwohl mir gar nicht kalt war, aber dagegen bekam ich von dem Arzt jetzt ein Spritze. Der wurde dann übrigens doch noch netter und unterhielt sich mit mir/uns, vielleicht aber auch nur, weil er sich meine Akte angeschaut hatte. Wenn die Leute dann da „Opernsängerin“ lesen, sind sie immer ganz erstaunt und wollen mich ausfragen... Mark erzählte später auch, daß er von mindestens drei Leuten auf diese Zeile hingewiesen wurde („He, guck mal da!“) und er jedesmal nur ganz cool antwortete: „Ich weiß. Ich kenn die Christiane...“! Naja, so kam mir die Zeit da unten dann doch nicht mehr allzu lange vor, obwohl ich es gar nicht erwarten konnte, aus diesem schrecklichen Raum endlich raus zu dürfen, ich wollte, mußte zu meiner Tochter!
Übrigens hatte ich auch jegliches Zeitgefühl verloren, ich wußte nur noch, daß ich um 10.30 Uhr im Kreißsaal war, und als sie mich jetzt endlich nach oben schoben, war es dann 14 Uhr. Die Spinalanästhesie hörte jetzt langsam auf, zu wirken, ich bekam fürchterliche Schmerzen im Bauch und auch das Zittern wurde wieder viel stärker. Oben auf meinem Zimmer bekam ich dann nochmal ein Medikament dagegen, und dann lag ich eigentlich einfach nur da und hoffte, daß es mir bald besser gehen würde, mehr konnte ich nicht denken in dieser Zeit. Zwei Anrufer würgte ich ab, da ich vor lauter Zähneklappern noch nicht richtig reden konnte und sowieso noch gar nicht wußte, was mit Eliana los war. Nach einer ganzen Weile wirkten die Medikamente endlich, und nun kamen die Schwestern und boten mir an, mich mitsamt meinem großen Bett rüberzufahren in die Intensivstation, „Station Däumling“, wo ich meine Kleine endlich sehen konnte. Im Nu waren die Schmerzen erstmal vergessen, in dem Moment, wo ich mein wunderschönes Kind betrachten konnte. Ich lag so in meinem Bett und starrte in den Brutkasten, und erschrak dann doch ziemlich, denn die Atemschwierigkeiten sahen schon übel aus, bei jedem hektischen Atemzug zog sich ihr ganzer kleiner Körper zusammen und an ihrem doch gequälten Gesichtsausdruck sah man, daß sie wohl auch noch Schmerzen dabei hatte. Das allerschlimmste war aber, daß man sie gar nicht anfassen konnte, kam man ihr zu nahe, hat sie sich mit einem quäkenden Meckern abgewendet. Ich habe es dann mit ganz viel Geduld geschafft, daß sie meinen Finger festgehalten hat und ich ihre Hand streicheln konnte, und ich bildete mir ein, daß sie sich dadurch sogar wieder ein bißchen entspannte. Nun wurde ich schon wieder zurückgefahren, war nun ein wenig beruhigt, denn ich hatte ja nun gesehen, daß mein Kind lebt, und durch die Schmerzen und das Erlebte war ich dann doch so fertig, daß es mir tatsächlich gelang, noch ein klein wenig zu schlafen. Obwohl ich mir die totalen Gedanken machen mußte, da reißt man so ein kleines Wesen, was zuvor bestimmt 36 Stunden wach war wegen der aufgeregten Mama, einfach so aus dem warmen gemütlichen Mutterleib, wo man noch gerne ein bis drei Wochen dringeblieben wäre, kein Wunder, daß dieses zarte Geschöpf erstmal Probleme damit hat, zu atmen, und sich überhaupt in dieser kalten Welt zurechtzufinden. Alles deutete also darauf hin, daß es sich um „ganz normale“ Anpassungsschwierigkeiten handelte, und die würden sich ja bald wieder geben, ich mußte ja auch erst wieder fit werden.
Am späteren Nachmittag kam eine Schwester herein, überreichte mir eine Flasche Sekt und eine Glückwunschkarte vom Krankenhaus mit einem Foto von Eliana, da war sie gerade 3 Stunden alt gewesen:

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So eine nette Geste, die mich gleich doppelt freute, denn ich hatte endlich ein Bild von ihr, das ich stundenlang anstarren konnte und zweitens standen in dieser Karte alle wichtigen Daten: Eliana war nur 50 cm groß, wog dabei aber schon stolze 3600 Gramm! Tja, groß ist sie nicht, aber ganz schön kräftig, und den Dickkopf hat sie mit 36 cm wohl auch von mir geerbt... Und ihre genaue Geburtszeit war 12:26 Uhr, dieser Moment, den ich in dieser Flut von Erlebnissen gar nicht genau zuordnen kann, aber nun war mir dann doch der Unterschied zur Vollnarkose bewußt: ich habe den Moment ihrer Geburt genau gespürt und gehört, und ich denke, das war schon sehr wichtig! Gegen Abend kamen dann meine Eltern, aber aus der Station Däumling kam die Nachricht, daß wir gerade wegen Hektik und Aufregung dort keinen Zutritt haben würden, aber die Schwester beruhigte mich, daß es sich dabei ja nicht um mein Kind handeln müsse. Meine Eltern waren dann schon einige Zeit wieder gefahren, als Frau Dr. Deffaa (meine Mutter kennt sie übrigens aus Altrip, ihre Töchter sind im Kinderchor) zu mir kam und mir erklärte, daß die Aufregung vorhin sehr wohl meiner Tochter gegolten habe, denn ihre Atmung und dazu noch der Kreislauf wurden immer schlechter und mußten mit Medikamenten und einer Nasensonde zur Beatmung behandelt werden. Inzwischen hatte sie sich wieder einigermaßen beruhigt, aber sie hatte sich eben durch die vielen Berührungen bei der Behandlung zu sehr aufgeregt. Ich durfte sie dann doch noch kurz sehen, aber eben nicht mehr anfassen, und ich mußte fürchterlich weinen, wie sie so dalag mit der Nasensonde und dem pumpenden Bäuchlein. Aber wenigstens schlief sie jetzt halbwegs ruhig und ich mußte mir nicht mehr allzu viele Sorgen machen.
 

Donnerstag, 8. März 2001

Trotzdem schlief ich natürlich sauschlecht diese Nacht, konnte vor Schmerzen (trotz Voltaren-Zäpfchen und nochmal einem „Schuß“ aus der PDA-Spritze, die Nadel lag immer noch in meinem Rücken, jetzt tat sie aber wirklich nicht mehr weh) nur auf dem Rücken liegen (der mir davon dann auch wieder schmerzte) und dann mußte ich so viel nachdenken, daß ich die halbe Nacht wach lag. Da freut man sich nun monatelang auf sein Kind, sehnt den Tag der Geburt herbei, erträgt alle Schmerzen klaglos, nur für die Belohnung, das Kind endlich im Arm halten zu dürfen, und dann? Dann kann man es nicht mal anfassen, sondern nur hilflos zusehen, kennt den genauen Grund nicht, warum es ihr so schlecht geht und muß einfach nur warten, alleine im Zimmer (obwohl mir das auch wieder ganz recht war, denn man weiß ja nie, wen man da als Gesprächspartner abkriegt, so konnte ich wenigstens ungestört heulen). Morgens kamen die Schwestern mit einem bedeutungsschwangeren Gesicht zu mir und ich wurde zum Aufstehen und Waschen gezwungen, etwa 20 Minuten brauchte ich für den Weg vom Bett zum Waschbecken, das mit den Schmerzen ließ sich aushalten, wenn man es ganz langsam anging, aber ich wußte schon wieder nicht mehr, wohin mit meinem Atem, das bedeutete doppelte Konzentration. Aber ich schaffte es dann doch und die Schwestern waren ganz zufrieden mit mir, nur hinterher mußte ich mich lange davon im Liegen erholen. Mittags kam der Blasenkatheder raus (schade, ich hatte mich schon so an ihn gewöhnt, das ist richtig praktisch, wenn man nicht dran denken muß, aufs Klo zu gehen) und mit zwei Schwestern mußte ich dann den Weg bis zur Toilette zurücklegen, dafür brauchten wir eine halbe Stunde, aber ich biß die Zähne zusammen, denn irgendwie mußte es ja mal wieder vorwärts gehen.
Eliana konnte ich heute erst abends sehen, es ging ihr den ganzen Tag ziemlich beschissen und die Ärzte mußten einige Untersuchungen vornehmen, Herzultraschall und Lunge röntgen, sie waren sich aber über die Diagnose noch nicht so ganz sicher. Also, mit normalen Anpassungsschwierigkeiten hatte das ganze leider nichts mehr zu tun, die Lunge hatte auf der linken Seite zwei überdimensional vergrößerte Bläschen, die das gesunde Lungengewebe zusammendrücken, so daß daher eben diese Atmenschwierigkeiten kamen, durch diese Blasen wurde nun das Herz halb zugedeckt, so daß hier keine eindeutigen Bilder zu bekommen waren, noch dazu hatte sich auf der rechten Seite ein Pneumothorax entwickelt („wilde“ Luft im Bauchraum), der allerdings noch klein genug war, um ihn nicht behandeln zu müssen (= Luft absaugen durch Piekser von außen!). Gegen abend konnte ich dann endlich mit meinen beiden Eltern (da haben sie auf der Station netterweise eine Ausnahme gemacht!) zu Eliana (mit dem Rollstuhl diesmal), inzwischen wurde sie auch richtig beatmet und konnte auch deswegen nicht rausgenommen werden, auch hatte sich ihre Panik vor jeglicher Berührung leider noch nicht gelegt! Mir blieb also wieder nichts anderes übrig, als ganz vorsichtig ihre Hand zu streicheln und zu heulen und zu heulen. Morgen sollte ein Spezialist kommen, der hoffentlich den Herzultraschall besser deuten können wird und dann müßte auch noch ein CT gemacht werden, das käme aber ganz darauf an, wie stabil Eliana sein wird, denn das Fahren zum CT würde ein zweimaliges Umlagern (in den Transportinkubator und dann in die Röhre) bedeuten, was man ihr heute noch nicht hätte zumuten können...
So mußte ich sie dann wieder zurücklassen, als meine Eltern dann sehr spät gingen, war ich völlig verzweifelt und heulte mich in den Schlaf, ich verstand einfach die Welt nicht mehr und hatte eine wahnsinnige Sehnsucht nach meinem Kind. Viele Kaiserschnittmütter schreiben, daß sie nach dieser „unpersönlichen“ Geburt Probleme damit haben, das Kind als ihres anzuerkennen, mir ging das nur gestern kurzzeitig so, als ich das erste mal in die Intensivstation kam und man sie mir zeigen mußte, aber der Moment war schnell vorbei und seitdem ist mir absolut 100%ig klar, daß dies mein eigen Fleisch und Blut ist, und daß etwas in mir zerreißen würde, wenn wir uns nicht mehr sehen könnten – auch, obwohl ich noch nicht mehr von ihr berühren konnte als die kleine Hand... Mit diesen trüben und auch gleichzeitig kraftspendenden Gedanken schlief ich dann endlich spät ein. Nachts bin ich dann übrigens ganz alleine auf die Toilette gewandert, die Nachtschwester traute ihren Augen kaum!
 

Freitag, 9. März 2001

Morgens bin ich wieder ganz alleine zur Toilette gelaufen und dann, nach einem kurzen Zögern, gleich weitergelaufen zu Eliana. Ich habe es einfach nicht mehr ausgehalten, wollte sie unbedingt sehen und wissen wie es ihr geht, und dieser Gedanke setzte eine ungeheure Kraft in mir frei, so daß ich den Weg tatsächlich schaffte. Kurz vor dem Ziel begegnete ich Frau Dr. Werner, die sich um meine Nachsorge kümmert, und auch ihr fielen fast die Augen aus dem Kopf. Ich sagte nur: „Ich will zu meinem Kind!“ und lief schnell weiter, weil ich schon wieder heulen mußte.
Heute morgen ging es Eliana gar nicht mehr so schlecht, ein schwerwiegender Herzfehler konnte durch den Ultraschall zum Glück ausgeschlossen werden, aber ich konnte jetzt auch nicht so lange bleiben, da sie fürs CT vorbereitet wurde, dafür war sie inzwischen stabil genug und alle hofften, daß es danach endlich einen Lichtblick geben würde, wie es weitergehen soll.
Vormittags kam meine alte Schulfreundin Christiane zu Besuch, sie ist Kinderärztin an der Uniklinik in Mannheim, ich habe ihr die vorläufigen Untersuchungsergebnisse meiner Tochter geschildert und sie meinte, daß Eliana wohl nach Mannheim verlegt werden müsse.
Das Umlagern, den Transport und das CT selber hat sie übrigens so gut überstanden, daß alle erstaunt waren. Mittags kam meine Mama und wir trafen uns zur Besprechung mit den Ärzten Frau Dr. Deffaa und Herrn Dr. Köhler. Also, der Lungendefekt sieht so aus, daß zwei Bläschen eines linken Lungenlappens unnatürlich vergrößert sind, ob jetzt der Zugang (Ventil) zu diesen Bläschen durch eine angeborene Fehlbildung geschädigt ist oder ein Schleimpfropf (altes Fruchtwasser) an dieser Stelle steckt und die Luftzufuhr (bzw. -abfuhr) verhindert, könnte nur durch eine Bronchoskopie geklärt werden. Sie wollten dann im Klinikum Mannheim anrufen und fragen, ob eine sofortige Verlegung möglich wäre, aber das war total einfach, denn Christiane hatte bei ihrem Dienstbeginn tatsächlich schon Bescheid gesagt, daß da wohl bald ein Anruf käme. So war das alles überhaupt kein Problem, der Krankenwagen wurde bestellt und ich konnte mich gerade noch von meiner Tochter verabschieden, da war sie schon weg. Mit Blaulicht und Tatütata nach Mannheim in die Kinderklinik. Frau Dr. Deffaa hat den Wagen selbst gesteuert, kam nach ihrer Rückkehr nochmal bei mir vorbei und berichtete, daß Eliana auch diesen Transport wieder ausgezeichnet überstanden hätte und daß dort schon ein großes Empfangskomitee bereitgestanden hätte, um sie in Empfang zu nehmen.
Abends rief ich dann, nachdem ich immer noch nichts von Christiane oder über die anderen Ärzte gehört hatte, selbst in Mannheim an und bekam von Dr. Sartoris persönlich Auskunft über Elianas Befinden. Es ging ihr wohl so gut, daß sie nicht mehr beatmet werden mußte, und auch insgesamt war die Situation überhaupt nicht dramatisch, so daß sie zumindest das Wochenende einfach mal abwarten wollten. Na, das waren doch gute Nachrichten, und obwohl meine Tochter jetzt noch weiter von mir weg war als bisher, konnte ich das nun ein wenig besser ertragen. Auch, weil ich sie jetzt optimal aufgehoben wußte. Nicht, daß ich den Ärzten im Marienkrankenhaus nicht traue, die haben sich wirklich wunderbar gekümmert, aber die Möglichkeiten sind hier eben einfach beschränkt und zum Glück hat die ganze Mannschaft genug Selbsterkenntnis, um die Kinder genau dann an die richtigen Stellen weiterzugeben, wenn sie ihre Grenzen erkennen!
Mir persönlich ging es heute schon wieder ein ganzes Stück besser, ich wurde von Ärzten und Schwestern gelobt, weil ich mich schon ganz alleine über den Flur kämpfte, bekam neben der üblichen Thrombosespritze eine Orastin-Spritze (aua!), damit die Gebärmutter sich besser zusammenzieht und ein Senfkörnerfußbad für den selben Zweck. Ansonsten bemühte ich mich jetzt intensiv um die Möglichkeit meiner eigenen Verlegung nach Mannheim. Das heißt, ich wartete den ganzen Abend, bis der diensthabende Gynäkologe endlich spät bei mir vorbeischauen konnte. Er sagte dann, er würde alles dafür tun, damit ich so schnell wie möglich dort rüberkönnte, es hinge eben von Mannheim ab, ob die Platz haben oder nicht, und ob sie das am Wochenende überhaupt gerne machen...
 

Samstag, 10. März 2001

Der Morgen verging mit Warten, dann kam endlich Frau Dr. Werner, war mit mir sehr zufrieden (verlegungsreif) und sagte, sie würde sofort mit Mannheim telefonieren. Leider dauerte das dann doch wieder bis am frühen Nachmittag, bis endlich eine Entscheidung gefallen war, dann aber hieß es schnell Sachen packen, der Krankenwagen würde gleich kommen. Ich ließ mir im Kinderzimmer noch die Milch verpacken, die ich mühevoll abgepumpt hatte. Bis jetzt war ja noch nie viel gekommen, aber in der letzten Portion waren tatsächlich schon etwa 15 ml drin, und die hütete ich wie einen Schatz in meiner Handtasche, um sie meiner Tochter mitzubringen. Die Fahrt mit dem Krankenwagen war ziemlich langweilig, da ohne Blaulicht, und auch unangenehm, da es mir bei jedem Schlagloch fürchterlich im Bauch wehtat – die armen richtig Kranken, die in solchen Autos transportiert werden müssen...!
In Mannheim angekommen, bekam ich ein schönes großes Zimmer, zum Glück wieder für mich alleine, fragte nach einer Milchpumpe und wurde sofort erstmal im Abpumpraum „eingesperrt“. So ein Mist, das geht hier also nicht am Bett, aber nun mußte ich wohl erstmal pumpen, dann erst konnte ich meine Eltern anrufen und ihnen Bescheid sagen, wo ich mich nun befand. Sie machten sich dann auch gleich auf den Weg und setzten mich sofort in den Rollstuhl, und so machten wir uns endlich gemeinsam auf Richtung Kinderklinik. Die liegt in Mannheim nämlich ganz schön weit weg, in einem ganz anderen Gebäude, man muß durch den halben Park, und das schaffe ich unmöglich alleine zu Fuß, das wird noch ein paar Tage dauern!
Als wir endlich drüben ankamen und ich meine kleine süße Maus da in ihrem Wärmebettchen liegen sah, so friedlich und entspannt sah sie aus, da mußte ich schon wieder fürchterlich heulen. Dr. Sartoris kam dann auch gleich zu uns, erzählte, daß sie sehr zufrieden seien mit Eliana, sie hätte sich erstaunlich stabilisiert und müsse noch nicht mal mehr beatmet werden! Das hat meine Kleine echt super hingekriegt, und wieder wurde ihr von den Ärzten ein zäher Wille bescheinigt (hm, woher sie den wohl hat?). Tatsächlich sah sie so völlig normal aus, auch die Atembewegungen waren längst nicht mehr so dramatisch wie die letzten Tage, und was das beste war: die Abwehrreaktionen müssen wohl tatsächlich eine Form der Anpassungsstörung gewesen sein, denn sie waren nun endlich völlig verschwunden! Dr. Sartoris erzählte, Eliana würde wach, aufmerksam und neugierig ihre Umgebung betrachten und so gut wie gar nicht herumquengeln. Das alles erzählte er mir mit einem liebevollen Gesichtsausdruck, störte sich kein bißchen daran, daß mir die Tränen in Strömen herunterliefen, und überhaupt fand ich die Stimmung in dieser Intensivstation überaus positiv, vor sich hin summende Ärzte, die sich Zeit nehmen für die Babys und überhaupt keine hektische Betriebsamkeit! Eliana war wach, schaute mich unentwegt an und hielt meinen Finger mit ihrer kleinen Hand fest umklammert. Am Montag soll dann die große Besprechung mit allen Ärzten stattfinden, bei der sie entscheiden werden, ob der Defekt an der Lunge gleich operiert werden muß, oder ob man die Sache erstmal eine Weile beobachten wird und vielleicht später dann operieren muß oder auch nicht, was allerdings wohl sehr unwahrscheinlich ist. Wir werden wohl davon ausgehen müssen, daß sie noch eine ganze Weile in der Klinik bleiben muß, bei einer OP bestimmt 3-4 Wochen, und was sich ansonsten ergibt, kann keiner sagen... Nun ja, das heißt dann, zuhause Milch abpumpen und jeden Tag in die Klinik fahren. Allerdings mit dem Hintergedanken, daß die Sache eigentlich gar nicht so schlimm ist, eine Routinesache für die Ärzte und eine Krankheit, bei der nichts zurückbleiben wird, wenn wir also diese erste schwierige Zeit überstanden haben, können wir das ganze doch bald vergessen.
Nun ja, wie schon gesagt, Eliana sah so normal und friedlich aus, wie sie da so lag, und dann traute ich mich, den Arzt zu fragen, ob denn die Chance bestehen würde, daß ich sie auch irgendwann vielleicht mal rausnehmen könnte, und da sagte er: „Na klar, sofort!“ – Puh, damit hatte ich jetzt gar nicht gerechnet, er half mir mit den ganzen Kabeln, und schon hatte ich sie im Arm! Das allererste mal so ein winziges Baby im Arm, und dazu auch noch mein eigenes! Mein kleines, süßes Töchterlein, das ich so lange vermißt hatte, endlich war dieser ersehnte Moment gekommen und ich konnte mein Glück gar nicht fassen, konnte es mal wieder nicht verhindern, daß ich fürchterlich heulen mußte (immer mache ich alles naß...)! Das beste war: ich war mir in dem Moment, in dem ich sie hielt, so dermaßen sicher, daß sie mich wiedererkannt hat, daß sie genau wußte, daß sie jetzt bei ihrer Mama ist und nicht bei irgendjemandem, an meinem Herzschlag und meiner Stimme muß sie mich eindeutig erkannt haben, und es ist faszinierend, daß das auch so selbstverständlich funktioniert, wenn Mutter und Kind nach der Geburt ein paar Tage getrennt waren! Eine ganze Weile hielten wir so unsere „Zwiesprache“, Eliana schaute mich groß an, seufzte tief – und dann schlief sie ein. Das tat meiner wunden Seele sehr gut heute, und ihrer bestimmt auch!
 
 

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Sonntag, 11. März 2001

Eigentlich war heute der allerglücklichste Tag seit Elianas Geburt, nach dem großen Glück gestern habe ich sie heute tatsächlich schon stillen dürfen!
Als ich heute nachmittag endlich rüberkam zur K3, da hat Eliana tief und fest geschlafen. Ohne die Kanüle im Kopf und ohne die Ernährungssonde in der Nase sah sie noch normaler aus. Die Situation habe ich ausgenutzt und eine Menge Fotos von ihr gemacht,
 
 

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ich habe ihr Gesichtchen gestreichelt, und daraufhin hat sie sich bewegt und gelächelt, es sah aus, als würde sie was schönes träumen. Eigentlich wollte ich mich dann schon bald wieder davonschleichen, hätte es nicht übers Herz gebracht, sie aus dem Schlaf zu reíßen, aber da kam ihre Krankenschwester und sagte, sie würde sie jetzt fertigmachen und dann sei Zeit zum Füttern, ob ich das nicht übernehmen wolle. Ich fragte vorsichtig: „Flasche oder Stillen?“ und schon war die Idee geboren, es doch mal direkt mit Stillen zu probieren, Dr. Sartoris hatte auch nichts dagegen! Eliana hat nämlich schon einen gesegneten Appetit und saugt immer ganz eifrig an ihrem Fläschchen, und ganz reicht die Milch noch nicht, die ich fleißig abpumpe, sie füttern dann mit HA-Nahrung zu. Aber jetzt war ja die Milchquelle da, und warum soll ich ihr dann die Flasche geben, wenn es auch so geht! Als hätte meine Tochter nie was anderes gemacht und noch nie an einer Flasche genuckelt (was ja angeblich viel einfacher für die Kinder ist, als an der Brust zu saugen), hat sie bei mir „angedockt“ und gezogen wie ein Weltmeister. Aua! Aber aua war nicht so schlimm, das Glücksgefühl überwiegt dann doch, und es sorgt für Produktion! Sie muß ausreichend getrunken haben, sah nämlich hinterher ziemlich satt und zufrieden aus, obwohl die Waage komischerweise kein einziges Gramm mehr anzeigte, merkwürdig! Nun ja, ich gab ihr dann noch ein bißchen aus der Flasche, und dann war sie endgültig satt und müde. Und noch etwas Schönes: Eliana hat mich heute das erste mal mit ganz großen Augen angesehen, bisher waren die immer zugekniffen gewesen, und ich konnte heute erst erkennen, daß sie ganz dunkelblaue Augen hat, da bin ich mal gespannt, ob die so bleiben...! Eigentlich sieht ein vier Tage altes Baby ja noch nicht viel, aber mir kam es so vor, als würde sie ihre Mama ganz ausführlich betrachten. War vielleicht alles nur Einbildung oder Wunschdenken, aber trotzdem ein sehr schönes Erlebnis. Und noch etwas habe ich heute gelernt: mein Baby ist gar nicht so zerbrechlich, wie ich bisher dachte, ich kann sie richtig anfassen, herumheben und knuddeln, und am liebsten hätte ich sie gar nicht mehr hergegeben, schließlich ist sie doch ein ganz normal gesundes Kind???
 

Montag, 12. März 2001

Heute nachmittag hat mich Andreas rübergefahren in die Kinderklinik, ist dann in die Stadt gegangen und ich hatte ganz viel Zeit. Als ich kam, war Eliana schon wach und angezogen und hatte eindeutig Hunger, zumindest quäkte sie ein paar mal deutlich – wenigstens kein Dauerschreien! Also begann ich gleich mit dem Stillen, seit gestern sind wir da ja schon halbe Profis. Diesmal zeigte die Waage deutlich, daß sie ganze 50 ml getrunken hatte, das war mehr, als ich bisher hatte abpumpen können, und so mußte ich heute nicht mehr zufüttern, Stolz! Als mein Mädchen satt und zufrieden war, habe ich ausgiebig mit ihr geschmust, ich merkte, daß sie immer müder wurde, aber immer wieder hat sie die Augen aufgerissen, so als wollte sie unbedingt ein Einschlafen verhindern, gerade jetzt, wo ihre Mama endlich mal da war. Eine ganze Flut von bewegenden Momenten war das, und spätestens jetzt verblaßte bei mir jegliche Beziehungs-Scheiße und mir wurde ganz deutlich bewußt, was wirklich wichtig ist im Leben. So verging die Zeit wie im Fluge, und schon kam mein Bruder wieder, um mich abzuholen. Vorher durfte ich Eliana aber auch noch das erste mal wickeln, habe mich dabei nicht allzu geschickt angestellt, aber ich denke, das werde ich dann doch schnell lernen.
Die Ärzte hatten heute übrigens ausführlich über Elianas Zustand beraten und sind zu dem Schluß gekommen, daß sie inzwischen so stabil ist, daß man sie die Woche über einfach nur beobachten wird, am Donnerstag oder Freitag soll dann nochmal ein CT gemacht werden, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Also heißt es abwarten... Ich rechne mal lieber mit dem Schlimmsten, denn ich wage es noch nicht, Hoffnung zu haben, aus Angst, ich könnte fürchterlich enttäuscht werden.
 

Dienstag, 13. März 2001

Heute hat mich meine Mama in die Kinderklinik gebracht und mein Papa wieder abgeholt, dazwischen hatte ich ganze vier Stunden Zeit für meine Kleine. Als ich ankam, habe ich Christiane getroffen, die mir freudestrahlend erzählte, daß Eliana gar nicht mehr auf der Intensivstation liegt, sondern im Kinderzimmer in einem richtigen Gitterbettchen. Das war schonmal die erste Freude, und die zweite war noch größer: als ich an das Bettchen trat, sah es aus, als würde meine Tochter noch schlafen. Ich beugte mich zu ihr runter und sagte leise: „Hallo, Eliana, Mama ist da!“, und in dem Moment hat sie ganz breit gelacht, sich geräkelt und die Augen aufgerissen, um mich anzusehen. Brauche ja wohl nicht anzumerken, daß es in dem Moment mit meiner Beherrschung mal wieder vorbei war, ich mußte wieder heulen wie ein Schloßhund! So ein süßes Kind habe ich da!!! Das war der schönste Liebesbeweis, den ich je in meinem Leben bekommen habe, da kann echt kein Mann mithalten...
Die ganzen Stunden heute waren dann so wunderschön, ich habe sie wieder gestillt, dann habe ich sie eine Weile auf meine (hochgestellten) Beine gelegt – mit ihren Füßen an meinem Bauch, ausnahmsweise kamen die kleinen Tritte jetzt von außen und nicht mehr von innen! – so konnten wir uns gut anschauen, Grimassen schneiden, und fotografiert habe ich auch ganz viel.

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Nach dem Wickeln habe ich mich wieder mit ihr hingesetzt, und dann ist sie in meinen Armen eingeschlafen und ich wollte sie nicht mehr loslassen. Das war bestimmt der schönste Schlaf, den sie seit ihrer Geburt gehabt hatte, unterdessen unterhielt ich mich (in ganz normaler Lautstärke übrigens, weiß gar nicht, warum die Leute immer auf Zehenspitzen schleichen müssen, wenn ein Baby schläft) mit Christiane und später auch meinem Papa, der dann aber irgendwann leider zum Aufbruch drängte. Na gut, vorher wollte ich Eliana aber noch eine frische Windel verpassen, und danach fing sie tatsächlich an, so ein bißchen zu meckern. Verzweifelt fragte ich Schwester Brigitte, was sie denn nun haben könnte, und die meinte ganz trocken: „Tja, sie wird wohl wieder Hunger haben.“, und mit leichtem Schrecken stellte ich fest, daß es ja schon 18.30 Uhr war, so lange hatten wir da rumgesessen. Also gut, keine Frage, daß ich jetzt noch stillen würde, wie kann man denn in so einer Situation gehen zum Abpumpen und sein Baby einer Schwester mit der Flasche überlassen? Mein Vater hat es überlebt und ich war überglücklich und saumüde, als ich an dem Abend zurück in mein Zimmer kam. Nach dem Stillen legte ich Eliana dann gleich hin und wollte mich davonschleichen, da fing sie aber an zu weinen, was mir einen ganz dollen Stich ins Herz versetzte. Ich ging natürlich nochmal zurück an ihr Bettchen, da lachte sie gleich wieder, dann verabschiedete ich mich ausführlich, versprach, morgen wiederzukommen, und nun konnte ich gehen, ohne daß sie mir hinterherweinte. Seltsam... aber sooo schön!
 

Mittwoch, 14. März 2001

Heute ist meine Kleine schon eine ganze Woche alt und ich habe bisher nur ein paar Stunden mit ihr verbracht, eigentlich könnten wir schon längst zu Hause sein. Aber das werden wir bestimmt alles nachholen! Heute ging es dann aber erstmal um mich. Wegen meiner Symphysenlockerung sollte ich heute geröngt werden, damit die Ärzte mir sagen können, wann ich wieder auf dem Damm sein würde, eigentlich rechnete ich da mit 2-4 Wochen nach der Geburt. Um 8 Uhr hatte ich den Termin, wollte vorher noch schnell abpumpen, aber da war ausgerechnet heute besetzt! Nun ja, also machte ich mich auf den Weg, und der war ganz schön gemein. Ganz ans andere Ende der vielen Gebäude mußte ich laufen, ohne Frühstück, mit vollen Brüsten, völlig ohne Kondition, und weh tat mir mein Becken immer noch (weniger die OP-Narbe), mein Kreislauf war kurz vorm Zusammenbrechen. Dann mußte ich noch eine große Treppe hoch und später wieder runter (hätte ich mir auch sparen können) und war völlig erledigt, als ich ankam. Dann mußte ich dort auch noch warten, bis ich endlich drankam. Geröngt wurde ich dann im Stand und mußte jeweils ein Bein leicht vom Boden anheben, wo doch ausgerechnet das so weh tut. Und dann wieder den ganzen langen Weg zurücklaufen... im Fahrstuhl konnte ich es mir dann nicht verkneifen und schaute in den Umschlag mit der Diagnose des Röntgen-Arztes, und mir stockte fast der Atem! Da stand doch tatsächlich: „Symphysensprengung 0,6 am links“! Sch..., ich dachte, die Sache wäre endlich ausgestanden, nun ist alles schlimmer als gedacht! Die Ärzte verbreiteten auch gleich Panik, ich müsse unbedingt sofort einen Beckengurt tragen („Wieso hat Ihnen den keiner vorher verschrieben? Unverantwortlich, sowas!“), bräuchte mindestens zwei Wochen absolute Bettruhe und müsse mich auf drei bis sechs Monate Heilungszeit einstellen. Die nette Chef- Physiotherapeutin erklärte mir dann ausführlich, was ich alles nicht machen darf (Treppensteigen, Drehbewegungen, Beine auseinander, Reiten für etwa ein halbes Jahr völlig vergessen...). Und dann fiel tatsächlich irgendwann der Satz (von einem Arzt), daß es für meine Genesung wohl besser wäre, wenn mein Kind noch in der Klinik bleiben müsse, denn schließlich bin ich ja alleine zu Hause...! Oh Schreck, ich werde mich also weiterhin mindestens so schonen müssen wie die letzten Wochen vor der Geburt, dazu diesen Gürtel tragen und hoffen, daß das Becken wieder ganz gerade zusammenwächst, da ich sonst bis an mein Lebensende mit einem schiefen Becken und zwei ungleich langen Beinen herumlaufen muß, dann kann ich das Reiten wohl völlig vergessen! Dann kam gleich noch ein Hammer, mir wurde nämlich mitgeteilt, daß ich bitte heute nachmittag auf meinem Zimmer bleiben solle, bis ein Mensch vom Sanitätshaus vorbeikommen würde, um mir diesen Gürtel anzupassen. Voll Schrecken fragte ich, wie lange ich denn warten müsse, und man munkelte etwas von 16 Uhr. So ein Scheiß, ich wollte eigentlich schon um 13.30 Uhr rüber zu Eliana! So langsam wurde es dann immer später und ich mußte schon wieder fürchterlich heulen – vor Wut diesmal, denn ich hasse es, so blöd rumzuwarten, wenn ich mir was anderes vorgenommen habe, und dann auch noch so was wichtiges! Das war dieser blöden Schwester (die einzige, die ich sowieso nicht so richtig leiden kann) anscheinend egal, ob ich mein Kind heute sehe oder nicht. Um 16 Uhr reichte es mir dann und ich rief selbst in dem Sanitätshaus an (warum ich da nicht schon früher drauf gekommen war?): tja, dort sagte man mir, daß man gar nicht wisse, ob da heute noch jemand vorbeikommen würde. Boah, was habe ich nun die arme Frau angeschnauzt, die ja eigentlich gar nichts dafür konnte, sagte ihr, daß ich jetzt weg wäre und sie gefälligst morgen früh jemanden schicken solle. Knallte den Hörer auf die Gabel und marschierte zur Kinderklinik rüber, heute völlig alleine und so schnell, wie ich es mir selbst nicht zugetraut hätte. Aber, wie so oft im Leben, kam ich heute genau richtig, früher hätte ich gar nicht kommen brauchen, denn Eliana schlief immer noch, seit 11 Uhr! Sie hatte heute die Nacht zum Tage gemacht und holte jetzt ihren Schlaf nach, also hatte ich außer einem friedlich schlafenden Kind noch nichts weiter verpaßt. Nun ja, der Nachmittag war dann wieder so schön, daß ich mich wieder völlig entspannen konnte, nach dem Stillen schlief Eliana auf meinem Arm ein, und nachdem ich sie noch eine ganze Weile so gehalten hatte, legte ich sie vorsichtig zurück in ihr Bettchen und sie schlief einfach weiter. Na, wenigstens kein Abschiedsjammer heute!
 

Donnerstag, 15. März 2001

Heute mußte ich schon wieder auf den Mann mit dem Beckengurt warten, der kam dann auch, das Teil war aber viel zu klein (was haben die denn bloß ausgemessen?) und so wird er morgen nochmal vorbeikommen, grrrr! Aber ich war heute etwas entspannter, denn ich hatte schon mit dem Arzt telefoniert, der mir sagte, daß Elianas CT am Vormittag sehr gut verlaufen sei, die Lunge hätte sich inzwischen schön entfaltet und die beiden Blasen und die Zyste sich fast vollständig zurückgebildet. Und zwar so gut, daß die Ärzte es selbst kaum fassen können. Wie sie nun aber mit diesem Ergebnis weiter verfahren, müsse erst noch mit den anderen Ärzten besprochen werden. Eliana war wohl von dem Beruhigungsmittel noch etwas down, so daß es nicht allzu schlimm war, wenn ich heute wieder etwas später kommen würde. So ganz nebenbei mußte ich mich nun schon dabei ertappen, daß ich mir doch ganz schön viel Hoffnung machte, Eliana morgen mit nach Hause nehmen zu können, gleichzeitig zu diesen Gedanken hatte ich natürlich eine ungeheure Angst vor einer Enttäuschung, und vor einer eventuellen OP natürlich auch. Denn das würde bedeuten, daß wir in unserer Zweisamkeit wieder einen großen Schritt zurückgeworfen werden würden, sie würde wohl eine ganze Weile intubiert bleiben müssen nach so einem Eingriff, und das bedeutete dann wohl: nicht stillen, nicht rausnehmen etc. Aber mal sehen, vielleicht würde sich ja doch noch alles zum Guten wenden.
Fast zwei Stunden habe ich heute mein schlafendes Kind betrachtet und dabei wieder völlig die Zeit und alles andere um mich herum vergessen, so wertvolle Momente muß man einfach genießen, wer weiß, wann ich für sowas wieder die Zeit haben werde!
 
 

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Dann wurde sie aber wach, und hatte wohl so großen Hunger (sie hatte vor dem CT nichts bekommen, danach wohl eine Flasche und sonst nur Infusionslösung, hatte aber jetzt so lange geschlafen, daß der Hunger wohl sehr stark war), daß sie beim Wickeln ununterbrochen schrie. Ich beeilte mich jetzt zwar deutlich, aber großartig stören tat es mich nicht, ich bin sogar davon überzeugt, daß meine Tochter eine sehr schöne Stimme hat! (Jaja, wenn man verliebt ist...!) Irgendwie war sie doch noch ziemlich durch den Wind, und es hat ewig gedauert, bis sie überhaupt anfing zu trinken, normalerweise wäre ich unter solchen Umständen verzweifelt oder ausgerastet, aber nun ist eben nichts mehr normal. Ich hielt mein Kind im Arm, beruhigte es, tröstete es und wunderte mich dabei über mich selber, denn daß ich jemals eine solche Geduld entwickeln könnte, hätte ich nie gedacht! Auch heute gelang es mir, daß Eliana satt wurde, und ruhig und zufrieden wurde sie auch wieder und wir genossen dann noch ganz lange die gegenseitige Nähe, bis ich sie wieder in ihr Bettchen legte zum Schlafen.
Tja, leider waren dann aber inzwischen sämtliche Ärzte nicht mehr da und besprochen hatten sie anscheinend auch noch nichts, und so mußte ich mich nochmal voller Ungewißheit in die letzte Nacht begeben, denn daß ich morgen entlassen werden würde, das war klar.
 

Freitag, 16. März 2001

Heute früh habe ich mich zwischendurch schnell abgeseilt und bin zu Eliana geeilt, aber sie war gerade gefüttert worden, und noch immer hatten die Ärzte nichts entschieden. Diese Warterei machte mich bald wahnsinnig! Also bin ich wieder zurück, pumpte die Milch eben ab und wartete wieder. Plötzlich dann klingelte das Telefon, und Oberarzt Dr. Schaible verkündigte mir die frohe Nachricht: Eliana darf heute mit mir nach Hause! Sie ist soweit in Ordnung, daß sie sie mir ruhigen Gewissens mitgeben können, ich soll nur in zwei Wochen zum röntgen kommen und ansonsten natürlich sofort, wenn sich irgendein Infekt, Atemproblem oder Fieber bemerkbar machen sollte. Total froh und überwältigt versprach ich ihm, eher einmal zu viel in die Klinik zu rennen, bevor ich zu spät kommen würde, und kaum hatte er aufgelegt, mußte ich schon wieder wie ein Schloßhund heulen, diesmal vor Freude und Glück! Tausend Gedanken schossen mir nun im Kopf herum, denn auf ein Leben mit Kind hatte ich mich nun noch gar nicht eingestellt, und hatte nun doch ziemliche Angst, ob ich das überhaupt hinkriegen würde.
Übrigens weiß ich nun die komplette Diagnose von Elianas Krankheit:
- kongenitales lobäres Emphysem – in der linken Lungenspitze gelegener kleiner malformierter Bereich mit einer solitären ca. 15 mm großen Zyste, zur Zeit klinisch nicht relevant
- 2 kleine muskuläre Ventrikelseptumdefekte (das sind kleine Löcher im Herzen, die aber viele Kinder haben, die sich mit der Zeit verwachsen)
Meine Sachen hatte ich alle schon gepackt, und nun mußte ich mal wieder warten, nämlich auf den Gürtel, und als er mir dann angelegt wurde (schlimmer als ein Keuschheitsgürtel, ehrlich!) dämpfte er meine gute Laune gleich ein wenig. So ein hartes Lederteil, das genau da drückt, wenn man sich hinsetzt. Aber ich werde mich daran gewöhnen müssen und das Ding bestimmt drei Monate tragen! Aber es gibt schlimmeres, und das Glück, mein Baby heute mit nach Hause nehmen zu können, ließ mich das Ganze dann doch leichter ertragen!
Nun „spurtete“ ich aber rüber in die Kinderklinik, fütterte Eliana noch einmal vor dem langen Heimweg, und dann kamen auch schon meine Eltern. Ich zog mein Mäuschen fein an, mit ihrem schönsten Strampelanzug, dann packten wir alles zusammen, verabschiedeten uns und gingen. So einfach war das! Unterwegs hielten wir noch an einem Babyladen und kauften eine Wickelkommode, denn so ganz komplett war die Ausstattung zu Hause ja immer noch nicht...
Das Empfangskomitee daheim bestand aus meinen Brüdern Martin und Andreas, und auch Bersi überschlug sich fast vor Freude. Erstmal begrüßte er mich alleine, wollte mich schier auffressen, und dann kriegte er sich vor Aufregung nicht mehr ein, denn so ein neues Baby im Haus, das ist natürlich absolute Klasse! Ständig will er Eliana abschlecken, so sehr liebt er sie, und ich muß das immer verhindern, ohne ihn dabei vor den Kopf zu stoßen, aber das wird schon funktionieren, denke ich mal. So, nun wollen wir mal sehen, wie der Alltag mit mir und Baby und Hund so läuft...!!!


Sonntag, 25. März 2001

Heute sind wir nun schon über eine Woche zu Hause. Eliana ist ein traumhaft liebes Kind, so hatte ich sie mir selbst in meinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt. Schon nach wenigen Tagen haben wir so etwas wie einen Rhythmus gefunden, sie schläft immer etwa vier Stunden am Stück, dann ist sie eine Stunde wach zum Stillen und Wickeln. In den ersten beiden Nächten hatte ich noch etwas Probleme mit der Milchproduktion (ich hatte ja nachts nie abgepumpt) und so fütterte ich die aus dem Krankenhaus mitgebrachte Muttermilch eben aus dem Fläschchen, aber das hat sich dann schnell eingependelt, inzwischen habe ich sogar eher zu viel Milch. Die Nächte sind erstaunlich angenehm, wir gehen beide so etwa gegen Mitternacht ins Bett, dann muß ich Eliana einmal so zwischen fünf und sechs Uhr morgens stillen, und dann schlafen wir beide nochmal bis neun oder sogar elf, je nachdem. Also, Schlafmangel habe ich wahrlich nicht, und auch tagsüber habe ich unheimlich viel Zeit, obwohl ich gerade diese Stunden, in denen sie wach ist, am meisten genieße. Schreien tut Eliana so gut wie gar nicht, wenn sie Hunger hat, fängt sie an zu meckern, aber ich weiß ja dann, was Sache ist, und lasse sie gar nicht so lange warten, daß sie schreien muß. Einmal am Tag hat sie dann aber ein bißchen Bauchweh, sind wohl diese Dreimonatskoliken, aber mit Lefax, Fencheltee und Bauchkraulen haben wir auch das immer ziemlich schnell wieder im Griff. In der Klinik hat Eliana gelernt, ganz alleine einzuschlafen, wenn man sie wach ins Bettchen legt, und das ist natürlich sehr angenehm, ich werde versuchen, das beizubehalten und uns nicht irgendwelche Rituale diesbezüglich anzugewöhnen. Überhaupt – ich könnte meine kleine Tochter eigentlich den ganzen Tag nur knuddeln, so froh bin ich, daß sie bei mir ist, und sie ist auch einfach nur zu süß! Außerdem habe ich immer noch das Gefühl, ich müßte ganz viel nachholen, da wir direkt nach der Geburt so lange getrennt waren. Aber ich denke, das wird sich auch noch auf ein „normales Maß“ einpendeln.
 
Eliana in ihrer schicken Ausfahrgarnitur (die ihr
noch viel zu groß ist)
...und schon wieder
ist sie eingeschlafen,
bevor ich sie in ihre Wiege legen konnte!

Nächste Woche habe ich einen Termin bei meiner Gynäkologin, die nochmal nach meiner Symphysensprengung schauen wird, eine Woche später muß ich das erste mal zur Physiotherapie deswegen, und am Freitag gehe ich dann mit Eliana zum Lunge röntgen in die Klinik. Mal sehen, was dabei so rauskommt und wie es uns in der nächsten Zeit zusammen so ergehen wird...
 
 
Und hier sind wir beide
in trauter Zweisamkeit:
Eliana und ihre Mama
- völlig verliebt...!!!

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Freitag, 20. April 2001
 

   So schnell vergeht die Zeit, man glaubt es fast gar nicht!
Seit einer Woche bin ich nun schon 31, fühle mich aber immer noch nicht alt! Eliana wurde in der Osternacht (14.4.) getauft, das war ein wunderschönes Fest. Überhaupt geht es uns beiden zusammen sehr gut, auch von ihren Großeltern (und der Uroma, die seit einer Woche zu Besuch ist) wird Eliana nach Strich und Faden verwöhnt. Sie ist immer noch sehr lieb, schläft nicht mehr ganz so viel und macht abends manchmal ein bißchen Theater, aber das ist durchaus auszuhalten. Man kann fast zusehen, wie sie wächst und immer mehr von ihrer Umgebung wahrnimmt, das macht richtig Spaß mit ihr. Das Stillen bereitet auch keinerlei Probleme und so lasse ich mein Töchterchen einfach wachsen ;-) !
Gesundheitlich ist Eliana wieder auf dem Damm, wir waren zwei Wochen nach der Entlassung nochmal im Krankenhaus, wo ihre Lunge nochmals geröngt wurde, und dabei wurde festgestellt, daß sie so gut wie gesund ist. Die beiden Löcher im Herzen sind auch nur noch 1mm statt 2mm groß, werden also auch bald verschwunden sein. Die U 3 haben wir nun auch schon hinter uns, und auch hier konnte keinerlei gesundheitliche Beeinträchtigung festgestellt werden, sogar die Hüfte ist völlig ohne Befund - da hatte ich noch ein bißchen Angst vor, weil ich ja selber als Kind operiert werden mußte. Also, ich habe nun ein völlig gesundes Kind, jetzt muß ich nur noch selber wieder
ganz fit werden, gehe schon zweimal in der Woche zur Physiotherapie, und das tut mir unheimlich gut! Mal sehen, wie es weitergeht und wann ich mich endlich wieder frei bewegen und vielleicht dann sogar wieder aufs Pferd steigen kann...
Ach ja, nochwas: viele haben mich gefragt, wie es denn mit Mark weitergegangen ist. Da herrscht inzwischen Funkstille, ist vielleicht ganz gut so, obwohl - daran bin ich selber schuld, beziehungsgeschädigt eben.......

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